Meet Jumen

„Weil alle Menschen Rechte haben“: Hinter diesem Motto steht die 2016 gegründete Menschenrechtsorganisation Jumen. Seit Mitte letzten Jahres setzt sich das 12-köpfige Team von den Büros auf unserem Campus aus für den Schutz der Grund- und Menschenrechte in Deutschland ein. Denn, erklärt Kaja Deller, Rechtswissenschaftlerin bei Jumen, „Menschenrechte sind faktisch nicht immer abgesichert“. Zum Beispiel versuche nach wie vor jeden dritten Tag ein Mann seine Ex-Partnerin umzubringen.

Mehr Menschenrechte durch strategische Prozessführung

Um die Umsetzung der Menschenrechte zu verbessern, greift Jumen hauptsächlich auf die Methode der strategischen Prozessführung zurück. Die Idee ist, über einzelne Gerichtsentscheidungen für viele Leute etwas zu ändern. Der Fokus liegt dabei stets auf dem Menschen: „Unser Ausgangspunkt ist immer die Frage, was die Betroffenen wollen“, so Deller.

Dabei hat sich Jumen hauptsächlich auf zwei Themen spezialisiert: der Familiennachzug von Geflüchteten, die in ihren Herkunftsländern verfolgt werden, und die Gewalt gegen Frauen. Erfolg hatte der Verein zum Beispiel 2018, als das Verwaltungsgericht Berlin Deutschland dazu verpflichtete, der Familie des minderjährigen, aus Syrien eingereisten Bashars Visa zu erteilen.

Gemeinsam stark

Ein zentraler Aspekt von Jumens Arbeit ist die starke Vernetzung mit anderen Akteuren. „Im gemeinsamen Handeln ist man deutlich stärker“, sagt Deller. Das schätzt die Menschenrechtsorganisation im Übrigen auch an den Atelier Gardens. Der Campus bietet laut Deller eine Vielfalt von Möglichkeiten für Begegnungen, Gespräche und Unterstützung. Jumen gliedert sich so hauptsächlich in den dritten Pfeiler des Campus Mottos „Soil, Soul and Society“ ein, obwohl Gesellschaft ja im Endeffekt auch auf der Umwelt beruhe.

Im Bilde der gemeinsamen Stärke, soll hier auch noch erwähnt werden, dass Jumen hauptsächlich aus Freiwilligen besteht und auf Unterstützung angewiesen ist. Wer sich von der Aufgabe des Vereins angesprochen fühlt und gerne mithelfen möchte, findet hier einen Link zur Website von Jumen. Und wer erfahren möchte, wer sonst noch bei uns auf dem Campus zuhause ist, und welche Veranstaltungen anstehen, kann hier weiterlesen oder unseren Newsletter abonnieren.

Wir feiern Pionierinnen

 

Happy International Women’s Day! Atelier Gardens feiert diesen Tag, indem wir zwei Vorreiterinnen unter den Mieterinnen und Geschäftsinhaberinnen hervorheben, die sich auf dem Campus kennengelernt und deren geschäftliche Brainstorming-Sitzungen zu einer freundschaftlichen Beziehung geführt haben!

Die Mitgründerin von KAOSPILOT+, Edda Luisa Kruse Rosset, und die Gründerin von Roots Radicals, Monica Kisic Aguirre, führen unterschiedliche Arten von zukunftsorientierten Initiativen, und genau diese Unterschiede sind es, von denen sie lernen und sich gegenseitig inspirieren, wie sie ihre Unternehmen führen; und wie sie sich auch davon erholen können!

“Als junge weibliche Führungskraft und Unternehmerin inspiriert es mich sehr, eine weitere Frau auf dem Campus zu haben […] und gibt mir viel Kraft”, erklärt Edda. “Wir haben gemeinsam, dass wir Frauen sind, und wir versuchen, einige weibliche Qualitäten in die Geschäftswelt einzubringen, etwas von dieser Sanftheit, wie wir die Zukunft sehen”, fügt Monica hinzu.

Die Gemeinschaft steht im Mittelpunkt beider Vorhaben, und das ist es, was den Campus hier ausmacht – voneinander lernen, sich gegenseitig unterstützen, gemeinsam wachsen und sich entfalten!

Garden by name, garden by nature — aber woher kommt das Wasser?

Der Campus von Atelier Gardens beherbergt im Rahmen eines radikalen Begrünungskonzepts zahlreiche Arten von Bäumen, Sträuchern und anderen Pflanzen. Sonst wäre es kein Garten! Viele der Pflanzen auf dem Gelände wurden von den Harris Bugg Studios sorgfältig ausgewählt und sind trockenheitsresistent, doch ein Teil der Grünflächen muss bewässert werden. Um den Trinkwasserverbrauch zu reduzieren und dem Nachhaltigkeitskonzept des Campus gerecht zu werden, wurden Vorkehrungen getroffen, um das Regenwasser auf dem Gelände aufzufangen. Dieser Ansatz entspricht nicht nur dem Nachhaltigkeitskonzept von Atelier Gardens, sondern auch seinen Grundwerten Soil, Soul, Society and Celebration.

Und nun ans Eingemachte:
Für das Gelände der Atelier Gardens sind insgesamt drei Regenwassersysteme geplant. Prototyp ist das Regenwasserbewirtschaftungssystem im Westen. Hier werden vor allem Teile der Dachflächen von Studio 1, Studio 2 und Haus 9 sowie ein sehr kleiner Teil der (noch) versiegelten Verkehrsfläche an die Zisterne (West) angeschlossen.

  1. Der Schlammfang hält grobe Schwimmstoffe und Verunreinigungen zurück.
  2. Der beruhigte Zulauf zum Schlammfang begünstigt das Absetzen feiner Schmutzpartikel am Gewässergrund und verhindert zugleich, dass das einströmende Wasser die Sedimente wieder aufwirbelt.
  3. Schmutzpartikel wie Pollen, die leichter als Wasser sind, treiben an der Wassersoberfläche. Beim Überlaufen des Regenwassers in die Zisterne verhindert der sogenannte Überlaufsiphon, dass diese Schmutzpartikel in die Zisterne gelangen, wodurch eine gleichbleibend klare und frische Wasserqualität gewährleistet wird.
  4. Die Regenwasserpumpe saugt das Regenwasser über einen schwimmenden Zulauf im oberen Bereich der Zisterne an. Hier, ca. 10 cm unter der Wasseroberfläche, ist die Wasserqualität am besten.
  5. Da das Regenwasser sowohl zur Toilettenspülung als auch zur Tröpfchenbewässerung verwendet wird, muss verhindert werden, dass Fremdpartikel >100 μm (=Feststoffe wie Rostpartikel oder Sandkörner) Korrosionsschäden an Leitungen und Armaturen verursachen. Der Einbau des Rückspül-Feinfilters verhindert solche Betriebsstörungen.

Alle angeschlossenen Verbrauchsstellen werden über ein separates Leitungsnetz versorgt, das vollständig vom Trinkwassernetz getrennt ist. Eine automatisch gesteuerte Pumpe fördert bei Bedarf Wasser in das Leitungsnetz. Bei Regenwasserknappheit wird dieses aus dem Trinkwassernetz gespeist.

Neben der Sammlung und Nutzung des Wassers müssen auch Regenereignisse berücksichtigt werden, die zum Überlaufen der Zisternen führen. Die realisierte Systemlösung beinhaltet daher Versickerungsgräben, in denen das Regenwasser versickert und in den natürlichen Wasserkreislauf zurückgeführt wird.

Auch wenn man die unterirdischen Zisternen nicht sehen kann: Im Frühling sind die Auswirkungen auf den Garten umso deutlicher! Komm doch mal vorbei und überzeug dich selbst!

Eine Reise zur Verbreitung zukunftsfähigen Unternehmertums

Sie sind in TON1 versammelt, um sich für ein neues Zeitalter des Unternehmertums einzusetzen: Vertreter:innen aus dem Nachhaltigen Unternehmertum, dem Umweltschutz und der Gründer-Szene, aber auch Student:innen tummeln sich zwischen den kleinen Stehtischen und den Stuhlreihen. Sie alle wollen eine lebenswerte Zukunft für Menschen und Gesellschaft schaffen. Seit 2015 fährt das Kollektiv Kreatives Unternehmertum (KU) einmal jährlich durch diverse Städte Deutschlands, der Schweiz und Österreichs, um seine Botschaft des Gesellschaftsgestaltertums zu verbreiten.

Die erste Haltestelle dieser Straßenschau, die seit letztem Jahr von der Straße auf die Schienen umgestiegen ist, befindet sich dieses Jahr Berlin. Dass TON1 als Treffpunkt für die Veranstaltung „Übersättigung – Was kommt nach einer Gesellschaft, in der alles da ist?!“ gewählt wurde ist kein Zufall. Als Entwicklungsraum für soziales und regeneratives Unternehmertum eignet sich der Campus der Atelier Gardens perfekt, wie auch unser Campus Director, Selim Pekin Güngör, unterstreicht.

Systemwandel mitgestalten

„Wir befinden uns in einer Zeit, in der Umbrüche an der Tagesordnung sind“, sagt KU-Geschäftsführer Manuel Binninger – dieser Bedarf an Veränderung zieht sich durch den ganzen Abend. Nina Breu, Geschäftsführerin Wirtschaft und Gesellschaft bei Greenpeace Deutschland, plädiert in ihrem Vortrag zum Beispiel für einen Systemwandel der Wirtschaft, um ökologische, soziale und demokratische Probleme im Zusammenhang mit Kapitalismus zu lösen. Auch Sebastian Fittko, Gründer der Initiative regenerative Marktwirtschaft wünscht sich ein ganzheitliches und symbiotisches Wirtschaften, was nicht allein auf das Wachstum des Bruttoinlandprodukts ausgerichtet ist.

Im Anschluss gibt es Naturwein vom ökologischen Produzenten Nature’s Calling und Leckerbissen aus der Brandenburgischen Umgebung. Bei einem Stück Bauernbrot mit Safranbutter können sich die ca. 60 Gäste (größtenteils Unternehmer:innen) zu ihren eigenen Ideen austauschen. Denn darum geht es KU: „Wir verstehen uns als Unternehmertum-Universität“, sagt Binninger. Sie wollen Unternehmen helfen, ihre Aktivitäten im Einklang mit Menschen markwirtschaftlich umzusetzen.

So endet also die erste von sieben Haltestellen der diesjährigen KU-Straßenschau in einem fröhlich interessierten Stimmengewirr. Nächster Halt: Hamburg mit dem Thema „Vom Ich zum Wir: Welche Kooperationen braucht die Zukunft?“. Doch auch bei uns in den Atelier Gardens geht die Geschichte des regenerativen Unternehmertums weiter. Um mehr davon zu erfahren, wie sich die Unternehmen auf unserem Campus für eine soziale und nachhaltige Zukunft einsetzen, klicke hier.

Imaginary Dinner at Atelier Gardens

Das Imaginary Dinner ist ein einzigartiges Networking-Event, das durch immersives Design zum Nachdenken über unsere gemeinsamen Zukünfte anregen möchte.

Das Konzept wurde von der in Lissabon ansässigen transformativen Designagentur With Company entwickelt, die ihre Wurzeln in Berlin hat.

Für die 2. Ausgabe dieses immersiven Dinners kooperierte With Company mit dem Berliner Campus Atelier Gardens, der Vorreiter*innen des Wandels und nachhaltiges Unternehmer*innentum fördert.

Inés Lauber und Roots Radicals sorgen für das passende Catering-Konzept mit bewährtem Kreislauf- und Upcycling-Ansatz.

Am gemeinsamen Tisch saßen: Umweltanwält*in, ein*e leidenschaftliche Botaniker*in, die Roboterkatze der Geschäftspartner*in, ein Algorithmus, ein hundertjähriger Baum… sowie zahlreiche weitere Akteur*innen aus dem Bereich der Zukunftsarchäologie.

Inspiriert von Techniken des Live Action Role Play wurden Schlüsselfiguren der lokalen Transformationsökonomie-Szene zum Imaginary Dinner eingeladen, um die ihnen zugewiesenen Rollen zu spielen und extreme Zukunftsszenarien vorzustellen.

Manchmal transzendierten wir die Realität, dann wieder erforschten wir das Wesen der menschlichen Natur. Im Rahmen dieser kollektiven Untersuchung sondierten wir die potentiellen Gestaltungsmöglichkeiten zukünftiger Systeme.

Dies führte zu dynamischen Diskussionen, in denen unterschiedliche Standpunkte respektvoll eingebracht und Extreme ausgelotet wurden. Wir experimentierten mit Allianzen und Möglichkeitsräumen, die unsere kollektive Vorstellungskraft, unsere Kultur und unser Bestreben widerspiegeln, diese Zeiten des Wandels zu meistern.

Meet Changing Cities

CHANGING CITIES

Die Mission von Changing Cities konzentriert sich auf die Gestaltung lebenswerter Städte. Sie schaffen ein Bewusstsein für zivilgesellschaftliche Probleme und setzen kreative Aktionen um, die Menschen dazu inspirieren sollen, selbst Veränderungen anzustoßen. Changing Cities unterstützt die Stadtbevölkerung dabei, sich in einer Vielzahl von Kampagnen und Initiativen zu engagieren. Sie bringen ihre Expertise in den politischen Diskurs ein, um die Rahmenbedingungen für die Verkehrswende vor Ort, auf Quartiersebene, bis hin zur landes- und bundespolitischen Ebene zu schaffen.

Atelier Gardens hat sich mit Changing Cities zusammengesetzt, als sie letztes Jahr auf den Campus gezogen sind. Weitere Informationen über die Arbeit von Changing Cities finden Sie hier:

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An einem verschneiten Februartag Anfang dieses Jahres erreichen knapp 40 vollgepackte Lastenräder unser Gelände. Es handelt sich um Changing Cities, den neuesten Mieter der Bürogebäude auf dem Komplex der Atelier Gardens. Der Verein, den manch eine:r noch mit dem Fahrrad-Volksentscheid in Berlin in Verbindung bringen wird, wurde 2016 gegründet. Die Motivation der Mitglieder? Radfahren komfortabel und sicher machen.

Ranghild Sørensen, Pressesprecherin von Changing Cities, erzählt der Verein habe damals innerhalb von dreieinhalb Wochen 100.000 Unterschriften für den Volksentscheid gesammelt. Dass die Stadt für eine Mobilitätswende bereit gewesen sei, erkennt auch die Regierung, und legt kurz darauf das Mobilitätsgesetz vor. Changing Cities setzt mit dem Volkentscheid eine Bewegung in Gang: heute, knapp 7 Jahre später, wurden in Deutschland über eine Million Unterschriften für weitere 54 Radentscheide gesammelt. Laut Sørensen ist das einer der größten Erfolge des Vereins: „Verkehrspolitik bleibt nicht mehr den Experten überlassen, sondern sie wird im öffentlichen Diskurs debattiert“.

Hin zur Umverteilung des öffentlichen Raums

Doch Changing Cities muss schnell einsehen, dass es mit der Verabschiedung des Mobilitätsgesetzes nicht getan ist. „Für die Umsetzung braucht es einen politischen Willen“, sagt Sørensen. Und der sei momentan nicht ausreichend vorhanden. Von den 2698 Kilometern Radweg, welche laut Mobilitätsgesetz bis 2030 gebaut werden sollten, wurden bis Januar 2023 gerade mal 113 Kilometer fertiggestellt – knappe 4,2 Prozent. Das entgeht einem Radnetz Monitoring.

Es braucht neue Ideen, also fängt der Verband von vorne an. Wieder wird eine Umverteilung des öffentlichen Raums über das Bottom-Up-Prinzip versucht, ausgehend von den Bürgern. An Barcelona inspiriert entsteht die Kiezblock-Kampagne: der Durchgangsverkehr soll aus den Kiezen herausgehalten werden, wodurch die Lebensqualität der Einwohner steigen soll. Eine ähnliche Idee verfolgt der Verein mit der Schulzonen-Kampagne. Hier soll durch einfache Maßnahmen die Schulwegsicherheit für Kinder garantiert werden. „Es gibt Schulen, die sieben Jahre für einen Zebrastreifen gekämpft haben und immer noch warten“, sagt Sørensen.

Großdemonstration gegen den Stopp des Ausbaus der Fahrradwege, 2. Juli 2023

Eine geteilte Philosophie

In den neuen Büros südlich vom Tempelhofer Feld fühlt sich das zwölfköpfige Team wohl. Mit dem Motto des Campus, „Soil, Soul, and Society“, kann sich der Verein gut identifizieren, weil es dessen Ambition, den öffentlichen Raum neu zu definieren, spiegelt. Vor allem im Gesellschaftsaspekt sieht Sørensen eine Überschneidung mit den Versuchen von Changing Cities, die Art und Weise des Miteinanderumgehens zu verändern.

Dadurch dass Changing Cities noch so neu ist, gibt es bislang kaum Berührungspunkte mit der Community der Atelier Gardens, doch gerade im Sommer erhofft sich der Verein viel von den Grünflächen außerhalb der Büros. „Wir wollen hier Treffen mit Ehrenamtlichen abhalten, in der Zukunft eventuell auch Konferenzen“, sagt Sørensen. Auch das Kino bietet interessante Möglichkeiten. Um auf dem Laufenden zu bleiben, und keine der Ereignisse in den Atelier Gardens zu verpassen, klicke auf diesen Link.

Der Übergang zum Tonfilm: Die goldenen Jahre der Tempelhofer Ateliers

Nach dem explosiven Debut des Stummfilms Anfang des letzten Jahrhunderts stehen die zwei gewächshausähnlichen Gebäude der Oberlandstraße im Mittelpunkt der deutschen Filmproduktion. Sie werden am Ende des ersten Weltkriegs von der Universum-Film AG (Ufa) aufgekauft und nehmen eine so prominente Rolle ein, dass sogar Friedrich Ebert ihnen 1920 einen Besuch abstattet. Man bedenke, in demselben Jahr gibt es 510 deutsche Uraufführungen!

Die Produktionen der Oberlandstraße schaffen es in diesen Jahren sogar bis in die USA. Unter jenen erfolgreichen Titeln zählt man unter anderem „Anna Boleyn“ von Ernst Lubitsch oder „Der Golem, wie er in die Welt kam“ von Paul Wegener. Auch Kameramann und Filmregisseur Karl Freund ist in den Ateliers südlich des Tempelhofer Felds zugange. Mit seiner „entfesselten Kamera“ – einer Kamera, die sich frei durch Räume bewegen kann – prägt er kommende Generationen von Regisseuren auch über Deutschland hinweg.

Kaum wundert es einen, dass in diesen Hochzeiten des deutschen Films auch große britische Namen in der Oberlandstraße auftauchen. Mitte der 1920er ist dort zum Beispiel kein anderer als Alfred Hitchcock. Zu dem Zeitpunkt noch recht unbekannt, ist sein großes Talent in den Augen der Filmillustrierten „Lichtbild-Bühne“ schon damals erkennbar. Nur wenige Jahre später ist auch Edgar Wallace, der als Erfinder des modernen Thrillers gilt, zur Verfilmung seines Krimis „Der rote Kreis“ in Tempelhof.

Zunehmend starke in- und ausländische Konkurrenz

Doch ebenso schnell wie der Ruhm der Ateliers in der Oberlandstraße, kommt auch ihr allmählicher Abgang. Die großen Namen der Filmindustrie zieht es vermehrt in die USA, wo Hollywood sich zunehmend als Filmgigant etabliert. Lubitsch und Freund, aber auch Berliner Schauspielerin Marlene Dietrich machen dort alle Karriere.

Auch innerhalb der Republik bekommen die Tempelhofer Studios Konkurrenz. 1921 integriert die Ufa die Neubabelsberger Studios. Dort entwickelt sich Mitte der 1920er Jahre ein 8000 Quadratmeter-großes Atelier, mit dem jene der Oberlandstraße nicht mithalten können. Weitere solche Riesenstudios entstehen zu dieser Zeit auch in kleineren Städten, wie Johannisthal oder Staaken.

Zu laut für den neuen Tonfilm

Als problematisch entpuppen sich gegen Ende des Jahrzehnts die Nähe der Ringbahn und der an der Oberlandstraße angrenzende Flughafen. Der Grund dafür? Die Erfindung des Tonfilms, für den es ruhige Bedingungen braucht.

Bei dem Umstieg von Stummfilm auf Tonfilm hinkt die Ufa generell hinterher, doch als sie dann doch damit beginnt, stehen die Neubabelsberger Studios im Fokus. 1930 sind dort neun Ateliers für die Tonfilmproduktion ausgestattet. Währenddessen werden die zwei Tempelhofer Glashäuser an ausländische und weibliche Produzent:innen vermietet.

Nichtsdestotrotz – und mehr schlecht als recht – werden allerdings auch hier schon Ende der 1920er Jahre die ersten Tonfilmproduktionen gedreht. Nennenswert ist zum Beispiel von Bolváry’s „Zwei Herzen im ¾ Takt“, eine Tonfilmoperette die 1930 erscheint.

Erst 1931 startet dann der Umbau auf den Tonfilm in der Oberlandstraße. Die Glashäuser müssen schalldicht gemacht werden: um den Glasbau muss eine Art Mantelhalle aus Stahl, Beton und Ziegeln gebaut werden, und das Dach muss mit einer weichen, geräuschdämmenden Schicht versehen werden. Das kostet die Ufa 280.000 Reichsmark – welche heute etwa 1,2 Millionen Euro entsprechen.

Ein durchwachsener Ausblick

Trotz des Umbaus ist es der Beginn einer düsteren Zeit für die Ateliers der Oberlandstraße. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten vermehrt sich die Auswanderung der Produzent:innen, Schauspieler:innen, und Regisseur:innen. In 1937 wird die Ufa dann von der Partei aufgekauft und ist wie allerorts von der Gleichschaltung und Filmzensur betroffen. Auch die Bombardierung im zweiten Weltkrieg ab 1943 richtet auf dem Ateliergelände Schaden an.

Die nächsten großen Meilensteine können die zwei Filmproduktionsstätten erst nach dem Ende des Krieges fortsetzen. Synchron-Studios und TV-Produktionen, mit Dauermietern wie dem ZDF.

Von damals bis heute: Filmpioniere in der Oberlandstraße

In den großen roten Ziegelsteingebäuden der Atelier Gardens, in denen in näherer Vergangenheit noch TV-Hits wie „Die Kurt Krömer Show“ oder „Circus Halli Galli“ gedreht wurden, sammeln sich Anfang des letzten Jahrhunderts die Pioniere des deutschen Stummfilms. Denn noch lang bevor sich in der Oberlandstraße ein Industriegebiet etabliert, wird sie zu einer der Drehscheiben der deutschen Film- und später Fernsehgeschichte.

Die ersten Schritte des Films in Deutschland

Es ist das Jahr 1913. Der Film – damals natürlich noch stumm – erlebt gerade einen Boom in Deutschland. Und ganz besonders in Berlin. Die Anzahl der sogenannten „Lichtspielhäuser“ liegt dort bei etwa 300. 15-mal so viele wie noch kaum ein Jahrzehnt zuvor. Zum Vergleich: heute gibt es in der deutschen Hauptstadt 91 Kinos mit 266 Sälen. Auch bei der Filmproduktion mischt Deutschland zum Anfang des letzten Jahrhunderts ordentlich mit. In der Berliner Innenstadt sprießen die Filmstudios nur so aus dem Boden.

Doch schon bald stellt man fest: weniger dicht besiedelte Gegenden eignen sich besser zum Drehen. Es ist ruhiger und es gibt mehr Platz. So entscheidet sich der deutsche Filmpionier Alfred Duskes dazu, eine Filmproduktionsstätte in dem noch größtenteils unbebauten Gebiet südlich des Tempelhofer Felds zu errichten.

Tageslicht als Drehvoraussetzung

Von außen sieht sein Bau aus, wie ein großes gewächshausähnliches Gebäude. Dank dieser Architektur sollen optimale Beleuchtungsbedingungen geschaffen werden. Tageslicht ist zu der Zeit trotz des Vorhandenseins elektrischen Lichts noch zentral für die Filmproduktion. Tatsächlich gibt es auf Filmsets sogar sogenannte „Sonnenkieker“, deren Aufgabe es ist die Lichtverhältnisse am Himmel zu beobachten. Erst mit ihrem „Okay“ kann der Dreh einer Szene beginnen.

Im selben Jahr in dem Alfred Duskes Produktionsstätte errichtet wird bekommt die Oberlandstraße auch schon ihr zweites Glashaus. Es wird von Paul Davidson, einem Gardinenhändler mit einer Vorliebe für Kino in Auftrag gegeben. „[S]chon aus weiter Ferne [sieht man] zwei seltsame Gebilde emporragen, die wie riesenhafte Vogelkäfige aussehen“ schreibt die Fachzeitschrift Lichtbild-Bühne im Juni 1913. Der Nachteil, der mit der Bauart einhergeht: im Sommer wird es in dem Glashaus extrem heiß – worüber sich Schauspieler:innen auch beschweren.

Die erfolgreichen Jahre des deutschen Films

Natürlich ist der Krieg, der kurz darauf ausbricht, ein Dämpfer für die Filmindustrie. Kinobesuchszahlen gehen zurück, und so auch die Einnahmen. Doch der Krieg ist auch eine Chance für die deutsche Filmproduktion. Da die bis zu dem Zeitpunkt dominierenden französischen Filme in Deutschland verboten werden, öffnet sich eine Marktlücke, die nicht nur von amerikanischen, sondern auch von deutschen und dänischen Produktionen gefüllt wird.

In den zwei Produktionsstätten in der Oberlandstraße werden in den folgenden Jahren zahlreiche international erfolgreiche Filme gedreht. Darunter zählen zum Beispiel diverse Filme der dänischen Stummfilm-Star Asta Nielsen oder des Regisseurs Ernst Lubitsch. Erstere sollen sich täglich und weltweit laut Berechnungen von Davidsons Mitarbeitern etwa 1,5 Millionen Kinobesucher ansehen. Ernst Lubitsch dagegen führt nach anfänglichen in Tempelhof gedrehten Erfolgen wie „Die Augen der Mumie Ma“ (1918) seine Karriere in Hollywood fort. Dort erhält er kurz vor seinem Tod noch einen Ehrenoscar für sein Lebenswerk.

Doch das ist nur der Beginn der Geschichte der großen roten Häuser an der Oberlandstraße. Das 20. Jahrhundert hat für die 1913 debütierende Filmproduktionsstätten noch einiges zu bieten. In den darauffolgenden Jahren wird die Straße südlich vom Tempelhofer Feld geprägt vom Übergang zum Tonfilm, den ersten Synchron-Studios, und von der anfänglichen deutschen Fernsehgeschichte. Dabei reihen sich Namen wie der Alfred Hitchcocks oder Edgar Wallaces an Film- und TV-Titel wie „Emil und die Detektive“ oder „Nachtstudios“.

*Talks Helena Norberg-Hodge

Vor etwa fünfzig Jahren betritt Helena Norberg-Hodge als Teil einer Dokumentarfilm-Crew einen kleinen Teil Tibets Namens Ladakh. Die Region ist damals noch kaum von der Weltwirtschaft berührt und bringt die schwedische Aktivistin zu einer Einsicht, die ihr Leben prägen wird. Was genau diese Einsicht ist, und welche Konsequenzen Norbert-Hodge daraus gezogen hat, das stellt sie im zweiten Talk der Veranstaltungsreihe bei uns in den Atelier Gardens vor.

Kleiner, langsamer, lokal

In TON 1 haben sich an die 60 Leute zusammengefunden. Die Atmosphäre an diesem Abend ist gemütlich, fast schon intim – passend zu Norberg-Hodges Motto der Lokalisierung. Die Gründerin und Direktorin der International Society for Ecology and Culture sitzt mit unserem Vision and Community Direktor Benjamin Rodriguez Kafka auf einer kleinen Bühne und erzählt: „Als ich damals in Ladakh ankam, kam mir die Idee man müsse kleiner, langsamer und lokal werden – das war der größte Moment meines Lebens“.

Norberg-Hodge hat zu dem Zeitpunkt schon einiges von der Welt gesehen, ihre Bildung hat sie in Schweden, Deutschland, Österreich, England und den USA erhalten. Außerdem spricht sie sechs Sprachen fließend. Und trotzdem entdeckt sie in Ladakh etwas ganz Neues: „alle Unterschiede, die ich zwischen mir bisher bekannten Kulturen erkannt hatte, schienen mir nichtig, als ich mit dieser alten und indigenen Kultur in Kontakt kam“. Bedeutend ist für sie, dass es in der Ladakhi Denkweise ein Verständnis dafür gibt, dass Menschen nur ein Teil des Gesamtsystems der Natur sind und sich dieser ständig anpassen müssen.

Lokalisierung für die Gesundheit

„Die Ladakhis waren die glücklichsten Menschen überhaupt“, so Norberg-Hodge. Sie erzählt, wie sie nach ihrer Reise nach Schweden zurückkommt, diesem Land, das von allen als so erfolgreich erachtet wird. Und doch sieht sie dort anders als in Ladakh Alkoholismus, Depressionen und hohe Selbstmordraten. Schuld daran ist laut Norberg-Hodge die Globalisierung und so elaboriert sie ein neues Konzept: die Ökonomie des Glücks. Wichtig ist die Rückkehr zum Lokalen, die Wiederherstellung der Verbindung zur Gemeinschaft und zur Natur.

Die Absurdität, welche teils mit Globalisierung verbunden ist, verbildlichen Ausschnitte aus Norberg-Hodges Dokumentarfilm „Planet Local“. Schottische Garnelen zum Beispiel werden nach dem Fang zum Schälen nach Thailand verfrachtet, nur um dann wieder zurück nach Schottland geschickt zu werden. Auch der Deutsche Milchaußenhandel kann nur als bizarr beschrieben werden: 2020 war Deutschland nicht nur der zweitgrößte Milchimporteur, sondern auch -exporteur. Die Schwedin kommentiert: „Unsere Arme sind so lang geworden, dass wir nicht mehr sehen, was unsere Hände machen“. Es geht laut ihr kein Weg an der globalen Lokalisierung vorbei.

Mehr Verbundenheit zu Mensch und Natur

Der Vortrag von Norberg-Hodge ist so gesehen eine Weiterführung des Soil, Soul and Society Konzepts von Satish Kumar, das auch unseren Campus antreibt. Der indische Aktivist hatte vor einigen Wochen mit faszinierenden Geschichten aus seinem Aktivismus-Leben den Auftakt der Veranstaltungsreihe gemacht.

Mehr zu dem Vortrag Kumars, unserem Campus und unseren kommenden Veranstaltungen findet ihr auf unserer Website zu lesen.

 

Von Tontafeln hin zu KI: Formen der Kommunikation

Von Tontafeln hin zu KI: Formen der Kommunikation

„Lanah? Lanah, wir haben dich wieder verloren.“ Auf der in TON1 aufgespannten Leinwand ist das Gesicht der aus dem Iraq per Zoom zugeschalteten Archäologin, Lanah Haddad, eingefroren. Die Ironie der Situation ist kaum zu übersehen, an diesem Abend, der unter dem Thema „From Clay Tablets to AI“ – „Von Tontafeln hin zu KI“ – steht. Ayham Majid Agha, der Kurator der Veranstaltungsreihe, schmunzelt: „wie sonst hätten wir KI besser erklären können?“.

Eine interdisziplinäre Annäherung

Zusammen mit den Gästen soll an dem Abend reflektiert werden, wie wir untereinander kommunizieren – mal aus künstlerischer, mal aus akademischer Perspektive, mal durch Vorträge, mal durch Performances. Den Auftakt macht Tiara Roxanne, Performance Artist, mit einem Vortrag zur Grammatik des Worts „gathering“, also Sammeln. Die schnell aufeinanderfolgenden und sich immer wiederholenden Worte wirken wie eine Meditation, und laden das Publikum dazu ein sich kritisch damit auseinanderzusetzen, wie Digitalisierung unsere Art und Weise des Erinnerns, des Erzählens, des Miteinanders, des Sammelns und wer wir sind verändert hat.

Auf Roxanne’s Performance folgt ein Vortrag des syrischen Archäologen, Yasser Showhan. Mit der (etwas stockenden) Übersetzung von Haddad geht Showhan auf die Ursprünge der Keilschrift ein und beruft sich dabei auf Mesopotamische Tontafeln. Denn schon sehr früh, genauer gesagt ca. 4000 Jahre vor Christus, sahen die Menschen einen Nutzen darin, Dinge schriftlich festzuhalten: sei es zum Handeln, zum Dokumentieren von landwirtschaftlichen Beständen, zum Rechnen, zur Verfolgung astrologischer Ereignisse, zum Festhalten von Liedtexten, oder zum Kommunizieren.

Der Abend wird zunehmend partizipativer. Mit der Musik von Bashar Al-Darwish wird das Publikum in die Welt der KI-generierten Töne einführt, die Al-Darwish selbst als „Klang der Zukunft“ beschreibt. Bevor Roxanne sich in einer weiteren Performance mit den Verbindungen zwischen KI und Kolonialismus auseinandersetzt, dürfen die Gäste ihre eigene Kreativität an Tontäfelchen ausleben. An einer Open Bar lässt man den Abend mit Musik allmählich ausklingen.

Nur ein Anfang

Dieser Abend ist der erste in der Veranstaltungsreihe „Artémon“. Der Name ist nicht zufällig ausgewählt: Er ist eine Mischung aus den englischen Wörtern „art“ und „monster“, weil die Veranstaltungsreihe einen Raum für Künstler:innen bieten soll, die oft noch etwas schüchtern sind, ihre eigenen Kunstwerke – ihre Monster – vor einem Publikum zu präsentieren. Hinzu sollen diese explorativen Abende den Gästen auch die Möglichkeit geben, die unbekannteren Seiten der Atelier Gardens zu entdecken, wie zum Beispiel Keller 7, Halle 12, oder Studio 2.

Wer auch über zukünftige Veranstaltungen informiert werden möchte und mehr über das Leben auf unserem Campus erfahren will, kann hier unseren Newsletter abonnieren, oder hier unsere Website besuchen.

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