Vor etwa fünfzig Jahren betritt Helena Norberg-Hodge als Teil einer Dokumentarfilm-Crew einen kleinen Teil Tibets Namens Ladakh. Die Region ist damals noch kaum von der Weltwirtschaft berührt und bringt die schwedische Aktivistin zu einer Einsicht, die ihr Leben prägen wird. Was genau diese Einsicht ist, und welche Konsequenzen Norbert-Hodge daraus gezogen hat, das stellt sie im zweiten Talk der Veranstaltungsreihe bei uns in den Atelier Gardens vor.

Kleiner, langsamer, lokal

In TON 1 haben sich an die 60 Leute zusammengefunden. Die Atmosphäre an diesem Abend ist gemütlich, fast schon intim – passend zu Norberg-Hodges Motto der Lokalisierung. Die Gründerin und Direktorin der International Society for Ecology and Culture sitzt mit unserem Vision and Community Direktor Benjamin Rodriguez Kafka auf einer kleinen Bühne und erzählt: „Als ich damals in Ladakh ankam, kam mir die Idee man müsse kleiner, langsamer und lokal werden – das war der größte Moment meines Lebens“.

Norberg-Hodge hat zu dem Zeitpunkt schon einiges von der Welt gesehen, ihre Bildung hat sie in Schweden, Deutschland, Österreich, England und den USA erhalten. Außerdem spricht sie sechs Sprachen fließend. Und trotzdem entdeckt sie in Ladakh etwas ganz Neues: „alle Unterschiede, die ich zwischen mir bisher bekannten Kulturen erkannt hatte, schienen mir nichtig, als ich mit dieser alten und indigenen Kultur in Kontakt kam“. Bedeutend ist für sie, dass es in der Ladakhi Denkweise ein Verständnis dafür gibt, dass Menschen nur ein Teil des Gesamtsystems der Natur sind und sich dieser ständig anpassen müssen.

Lokalisierung für die Gesundheit

„Die Ladakhis waren die glücklichsten Menschen überhaupt“, so Norberg-Hodge. Sie erzählt, wie sie nach ihrer Reise nach Schweden zurückkommt, diesem Land, das von allen als so erfolgreich erachtet wird. Und doch sieht sie dort anders als in Ladakh Alkoholismus, Depressionen und hohe Selbstmordraten. Schuld daran ist laut Norberg-Hodge die Globalisierung und so elaboriert sie ein neues Konzept: die Ökonomie des Glücks. Wichtig ist die Rückkehr zum Lokalen, die Wiederherstellung der Verbindung zur Gemeinschaft und zur Natur.

Die Absurdität, welche teils mit Globalisierung verbunden ist, verbildlichen Ausschnitte aus Norberg-Hodges Dokumentarfilm „Planet Local“. Schottische Garnelen zum Beispiel werden nach dem Fang zum Schälen nach Thailand verfrachtet, nur um dann wieder zurück nach Schottland geschickt zu werden. Auch der Deutsche Milchaußenhandel kann nur als bizarr beschrieben werden: 2020 war Deutschland nicht nur der zweitgrößte Milchimporteur, sondern auch -exporteur. Die Schwedin kommentiert: „Unsere Arme sind so lang geworden, dass wir nicht mehr sehen, was unsere Hände machen“. Es geht laut ihr kein Weg an der globalen Lokalisierung vorbei.

Mehr Verbundenheit zu Mensch und Natur

Der Vortrag von Norberg-Hodge ist so gesehen eine Weiterführung des Soil, Soul and Society Konzepts von Satish Kumar, das auch unseren Campus antreibt. Der indische Aktivist hatte vor einigen Wochen mit faszinierenden Geschichten aus seinem Aktivismus-Leben den Auftakt der Veranstaltungsreihe gemacht.

Mehr zu dem Vortrag Kumars, unserem Campus und unseren kommenden Veranstaltungen findet ihr auf unserer Website zu lesen.

 

„Es braucht eine globale Lokalisierungsbewegung“

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Helena Norberg-Hodge

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