Es ist Donnerstagabend, fast 19 Uhr. In TON1 wird leise getuschelt. Eben noch waren die knapp 90 Gäste, die es an diesem Abend auf unseren Atelier Gardens Campus verschlagen hat, in muntere Gespräche vertieft. Doch jetzt werden die letzten Kokoswasser-Rosmarin Mocktails ausgetrunken und zur Bar zurückgebracht, und die Aufmerksamkeit des Raums richtet sich auf einen älteren Mann in Kurta, welcher die Bühne betritt.

Das Thema an diesem Abend, dem ersten der Veranstaltungsreihe „Talks at Atelier Gardens“, die fortlaufend in den nächsten Monaten auf dem Campus stattfinden werden, ist „Soil, Soul and Society“ – also Erde, Seele und Gesellschaft. Hinter dieser Idee steht Satish Kumar, der 86-jährige, der nun auf der Bühne sitzt. „Um wahrhaftige Veränderung herbeizubringen, müssen wir in Harmonie mit der Erde, uns selbst, und anderen leben“, erklärt der Aktivist. Er träumt von einer Welt, in der Natur als Nationalität gilt, in der Diversität nicht zu Zerteilung führt, und in der die „wir“-Kultur die „ich“-Kultur ersetzt.

Ein Leben für die Spiritualität

Kumars Leben steht symbolisch für seine Vision. Als Teenager wird er schon Jain Mönch und verzichtet in seinen Worten auf „die Welt“. Doch mit 18 erkennt er, dass es sich dabei um eine sehr exklusive Version der Spiritualität handelt. Er flieht aus dem Kloster und schließt sich einer Ashram an, in der alles für alle gemacht wird statt für einen selbst.

Mit 26 erfährt Kumar dann von der Verhaftung des damals 90-jährigen Bertrand Russels, welcher gegen nukleare Waffen protestiert hatte. „Ich sprach mit einem Freund und fragte ihn: ‚Und was machen wir hier, zwei junge Männer, während ein 90-Jähriger aktiv demonstriert?‘“, erzählt Kumar. Und so beschließen die beiden, in die vier Nuklearhauptstädte (Moskau, Paris, London, und Washington) zu wandern – zu Fuß und ohne Geld, denn „Friede beginnt mit Vertrauen“.

Aktivismus als Lösung

Bis heute ist Kumar ein überzeugter Aktivist. „Ich kann zwar nicht steuern, wozu meine Handlungen führen, aber ich kann meine Handlungen steuern“, sagt er. Dass die Ergebnisse als Geschenk des Universums geschähen, müsse man akzeptieren, auch wenn das frustrierend sein könne. So läge die Verantwortung bei jedem und jeder einzelnen von uns – jede*r könne zum Beispiel eine Pflanze an sein Fenster stellen, und somit dazu beitragen, dass die Stadt ein kleines wenig grüner werde.

Worte, die in den Atelier Gardens Widerhall finden. Denn hier dreht sich alles um Erde, Seele, und Gesellschaft: nicht umsonst ist das Motto unseres Campus „Celebrating Soil, Soul and Society“. Benjamin Rodrigues Kafka, unser Vision und Community Direktor, der den Atelier Gardens Talk mit Satish Kumar moderiert, erzählt wie aus den 7 Bäumen, die es hier 2016 gab, mittlerweile 120 geworden sind. Für diese und weitere Bemühungen im Regenerationsprozess des Campus erhielt Atelier Gardens 2023 den MIPIM Award für das beste Stadterneuerungsprojekt. Mehr dazu, gibt es hier zu lesen.

Das vollständige Gespräch hier an:

"I can't control where my actions lead, but I can control my actions"

-
Satish Kumar

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