Von Tontafeln hin zu KI: Formen der Kommunikation

„Lanah? Lanah, wir haben dich wieder verloren.“ Auf der in TON1 aufgespannten Leinwand ist das Gesicht der aus dem Iraq per Zoom zugeschalteten Archäologin, Lanah Haddad, eingefroren. Die Ironie der Situation ist kaum zu übersehen, an diesem Abend, der unter dem Thema „From Clay Tablets to AI“ – „Von Tontafeln hin zu KI“ – steht. Ayham Majid Agha, der Kurator der Veranstaltungsreihe, schmunzelt: „wie sonst hätten wir KI besser erklären können?“.

Eine interdisziplinäre Annäherung

Zusammen mit den Gästen soll an dem Abend reflektiert werden, wie wir untereinander kommunizieren – mal aus künstlerischer, mal aus akademischer Perspektive, mal durch Vorträge, mal durch Performances. Den Auftakt macht Tiara Roxanne, Performance Artist, mit einem Vortrag zur Grammatik des Worts „gathering“, also Sammeln. Die schnell aufeinanderfolgenden und sich immer wiederholenden Worte wirken wie eine Meditation, und laden das Publikum dazu ein sich kritisch damit auseinanderzusetzen, wie Digitalisierung unsere Art und Weise des Erinnerns, des Erzählens, des Miteinanders, des Sammelns und wer wir sind verändert hat.

Auf Roxanne’s Performance folgt ein Vortrag des syrischen Archäologen, Yasser Showhan. Mit der (etwas stockenden) Übersetzung von Haddad geht Showhan auf die Ursprünge der Keilschrift ein und beruft sich dabei auf Mesopotamische Tontafeln. Denn schon sehr früh, genauer gesagt ca. 4000 Jahre vor Christus, sahen die Menschen einen Nutzen darin, Dinge schriftlich festzuhalten: sei es zum Handeln, zum Dokumentieren von landwirtschaftlichen Beständen, zum Rechnen, zur Verfolgung astrologischer Ereignisse, zum Festhalten von Liedtexten, oder zum Kommunizieren.

Der Abend wird zunehmend partizipativer. Mit der Musik von Bashar Al-Darwish wird das Publikum in die Welt der KI-generierten Töne einführt, die Al-Darwish selbst als „Klang der Zukunft“ beschreibt. Bevor Roxanne sich in einer weiteren Performance mit den Verbindungen zwischen KI und Kolonialismus auseinandersetzt, dürfen die Gäste ihre eigene Kreativität an Tontäfelchen ausleben. An einer Open Bar lässt man den Abend mit Musik allmählich ausklingen.

Nur ein Anfang

Dieser Abend ist der erste in der Veranstaltungsreihe „Artémon“. Der Name ist nicht zufällig ausgewählt: Er ist eine Mischung aus den englischen Wörtern „art“ und „monster“, weil die Veranstaltungsreihe einen Raum für Künstler:innen bieten soll, die oft noch etwas schüchtern sind, ihre eigenen Kunstwerke – ihre Monster – vor einem Publikum zu präsentieren. Hinzu sollen diese explorativen Abende den Gästen auch die Möglichkeit geben, die unbekannteren Seiten der Atelier Gardens zu entdecken, wie zum Beispiel Keller 7, Halle 12, oder Studio 2.

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"Von Tontafeln zu KI - wie hätten wir KI sonst besser erklären können?"

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Ayham Majid Agha

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